Im Rahmen eines Besuchs am Klinikum Chemnitz tauschte sich Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach am 6. August 2024 in einem offenen Dialog mit Klinikgeschäftsführern der Region Südwestsachsen, darunter Marcel Koch aus dem Erzgebirgsklinikum, zur Krankenhausreform aus.
Ziel der Reform sei es, die Versorgung durch eine stärkere Spezialisierung der Kliniken zu verbessern, so Karl Lauterbach. Gleichzeitig sollen die Grund- und Regelversorgung und damit kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum erhalten bleiben sowie durch Zuschläge für bestimmte Bereiche wie Geburtshilfe oder Traumatologie entlastet werden, erklärte der Bundesgesundheitsminister.
Die Klinikgeschäftsführer dagegen äußerten ihre Sorge, ob die geplanten Reform-Maßnahmen mit Blick auf die regionale Situation in Südwestsachsen zum Standorterhalt und einer bedarfsgerechten Versorgung beitragen könnten – gerade bei dem ökonomischen Druck, der aktuell auf fast allen Krankenhäusern laste. „Wir haben in Sachsen bereits eine Krankenhausreform hinter uns. Von einst 130 Klinikstandorten sind nur noch 76 übrig“, bestätigte Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Sorgen der Dialog-Teilnehmer. „Umso wichtiger ist es, dass diese Standorte alle erhalten bleiben“, so die Sächsische Ministerin. Um hier Eigeninitiative zu ergreifen, arbeiten 19 Kliniken der Region seit einigen Monaten in dem Modellprojekt „Gesundheitsregion Südwestsachsen“ gemeinsam daran, Vorschläge für eine zukunftsfähige medizinische Versorgung zu entwickeln und die vorhandenen Ressourcen in einem eng kooperierenden Netzwerk zu bündeln. Bundesgesundheitsminister Lauterbach lobte die Initiative als vorbildlich für ganz Deutschland und sagte, dass die geplante Reform vor diesem Hintergrund in der Region gut umsetzbar sei.
Geschäftsführer Marcel Koch ging im Gespräch mit Prof. Dr. Lauterbach auf den starken ambulanten Versorgungsdruck in ländlichen Regionen und die Notwendigkeit einer besser strukturierten sektorübergreifenden Versorgung ein. Dies sei in der Reform nicht adäquat abgebildet, so Koch. Zudem gerieten die Krankenhäuser, die sich schon auf den Weg gemacht hätten, etwas zu verändern, gerade ins Hintertreffen: „Denn in den aktuellen Budgetverhandlungen werden die durch die Reform notwendigen Leistungsverschiebungen nicht berücksichtigt“, sagte Koch. Durch diese Leistungsverschiebungen käme es außerdem auch zu Personalverschiebungen. „Für diese braucht es Rückendeckung von Seiten der Politik“, betonte Koch.
Der Bundesgesundheitsminister nahm viele Anregungen und Vorschläge aus dem Dialog mit, wie er abschließend sagte. „Ich beschäftige mich intensiv mit der Situation in den neuen Bundesländern und bin mir bewusst, dass die Reform auch die besonderen Bedingungen in Ihrer Region berücksichtigen muss“, so Lauterbach. Deshalb werde die Krankenhausreform auch künftig noch weiterentwickelt.
Bild: Marcel Koch (links) im Gespräch mit BGM Lauterbach (rechts) (Foto: A. Wunsch/EGK)
